Nikolaus nimmt den Dampfer statt den Schlitten In Holland ist alles anders: "Sinterklaas" reist aus Spanien an - Und seine Helfer sind schwarze Mohren - Wichtiger als Weihnachten Von Claudia Diers-Lienke Amsterdam.- Die Invasion der Mohren beginnt Ende November. Dunkelhäutige Gestalten mit bunten Kleidern und ethnischen Locken huschen an den Grachten vorbei. Sie sehen altmodisch aus und streicheln über Kinderköpfe, .klettern auf Kamine und verteilen Spekulatius. Mit Schokolade-Produzenten (Sarotti?) haben sie aber nichts am Hut. Ihr Boss heißt "Sinterklaas", die holländische Variante vom Nikolaus. Der hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit dem weißbärtigen, rotbemäntelten Herrn, auf den man ab Anfang Dezember in vielen anderen Ländern stößt. Allerdings war "Sinterklaas" schlauer als der deutsche Nikolaus. Nikolaus, das weiß jedes Kind, kommt irgendwo von Richtung Nordpol. Sinterklaas dagegen lebt in Südspanien (wer hatte den besseren Rentenberater?) Nikolaus fliegt ein aus Lappland mit seinem Schlitten, durch eisige Lüfte. Sinterklaas dagegen schippert auf einer Luxuskreuzfahrt von Spanien nach Holland (kein Wunder: wenig Schnee, aber jede Menge Kanäle). Nikolaus muss sich selbst durch all diese engen Kamine quetschen. Sinterklaas hat tausende Helfer, "Zwarte Pieten", Schwarze Peters, die Mohren, die das für ihn tun. Um Geschenke zu verteilen, gehen sie auch ungewöhnliche Wege. Wenn in Amsterdam oder Delft mal wieder Verkehrskollaps eintritt, steigen die Pieten einfach ins Kanu und paddeln an den Ort ihrer Bestimmung. Nur logisch in Holland. Sinterklaas ist für holländische Kinder wichtiger als Weihnachten: Er und seine Pieten bringen die großen Geschenke am Abend des 5. Dezember. Weihnachten dagegen ist ein mehr wirklich religiöses Fest, ohne große Geschenke. Das überrascht fremde Besucher immer wieder. Mit Erstaunen erleben sie, wie ab Ende November in allen Städten, die über Meeresküste und/oder Kanäle verfügen, Sinterklaase und Zwarte Pieten ankommen. Die Mohrenfigur irritiert kritische Geister manchmal. Wie kommt es, dass ausgerechnet die liberalen und toleranten Holländer in Zeiten, da Rassismus überwunden scheint, so festhalten an schwarzen Helfershelfern? Da ist nichts weiter an der Hand, bloß Tradition, sagen die Sinterklaasfans. Der Zwarte Piet könnte genauso weiß, rot oder gelb sein. Doch traditionell seien es Mohren: Verjagt in die Sierra Navada von den katholischen Spaniern im 15. Jahrhundert,, heuerten sie danach gerne bei Sinterklaas an. Und tatsächlich, das ist wirklich wahr, wenn man entlang der spanischen Südküste fährt, zwischen Motril und Malaga, wird man ein kleines Schild finden, das auf eine Serpentinenstraße hinweist, darauf steht "San Nicolas". Sinterklaas ist nicht nur ein Fest für Kinder in Holland, sondern auch für Erwachsene. Beispiel: Familienmutter findet ihre neue Teetasse versteckt in einem Topf voller Grünkohl. Oder ein Schlips für Papa wird im Backofen versteckt. Spottverse und Gedichte weisen die Beschenkten darauf hin, wo sie ihre "surprises" finden. Dazu trinkt man Glühwein und überfrisst sich an Schokoladenbuchstaben, Marzipan und Mandelstäbchen. Das ist meist ein Riesen-Fest. Nur in Veldhoven, da wollte es jetzt schon im Vorfeld nicht so recht glücken. Da wurde das Kinderfest zur Katastrophe für den Heiligen. Ursache aller Probleme war sein Kostüm: ein paar Nummern zu groß. Dadurch rutschte die Mitra dauernd über die Augen. Auch der Bart blieb nicht da, wo er sein sollte. Der Kleber hielt der Hitze der Lampen im Saal nicht Stand. Und das doppelseitige Klebeband half auch nichts. "Es lief alles schief, ich konnte nicht reden", so Sinterklaas. Er verlor jegliche Ausstrahlung, weil er nur noch probierte, mit der Hand seinen Bart am richtigen Platz zu halten. Er wird froh sein, wenn er wieder zuhause ist, im sonnigen Spanien. ----------------------------------------- www.newsmill.net Achtung, Redaktionen: dazu bieten wir auch Fotos an (jpg)