Das harte Leben in einem goldenen Käfig Niederländer bangen weiter um Königin Beatrix' kranken Mann - „Prinz Claus hat einen hohen Preis bezahlt" Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Prinzessin sein. Prinz sein. Träume in rosa Tüll, Träume von goldenen Schwertern, von Luxus und wunderbaren Reisen. Auch das niederländische Königshaus umgibt diese Aura von Zauber und Unsterblichkeit. Obwohl sie schon lange nicht mehr stimmt. Nie gestimmt hat. Doch plötzlich scheint die Nation es zu bemerken. Prinz Claus, der deutschstämmige 74 Jahre alte Gemahl der Regentin Königin Beatrix, ist todkrank. Er lebt mit Depressionen, leidet unter Parkinson, hatte Prostatakrebs, verlor eine Niere und jetzt drohte die zweite zu versagen. Nach der Notaufnahme in die Klinik stabilisierten ihn nun die Ärzte diese Woche. Drei Mal in der Woche muss Claus nun zur Dialyse ins Akademisch Medischen Centrum in Amsterdam. Das hält ihn noch am Leben. Die Niederländer sind voller Mitgefühl. „Der arme Claus" sagt Marjolein Schelvis, eine Polizistin, „aber es war einfach hart für ihn, das Leben im goldenen Käfig". Wie kann Luxus hart sein? "Ja sicher", sagt Marjolein, „Claus musste seit der Heirat mit Beatrix 1965 die zweite Geige spielen. Männer dieser Generation schaffen das nur schwer. Kein Wunder, dass er depressiv wurde". Willemijn Groot im Käseladen von Delft stimmt ihr zu: „Claus hat einen hohen Preis bezahlt für seine wahre Liebe. Beatrix ist sicher eine geschickte Politikerin, aber auch hart." Und sie weiß noch etwas: „Erst kürzlich hat Beatrix noch dafür gesorgt, dass Claus in einen anderen Flügel des Schlosses umziehen muss. Die vielen Krankenschwestern haben sie gestört. Sie wollte einen separaten Krankenflügel". Na, na, wer hätte das Beatrix zugetraut. Obschon: Macher Holländer erwähnt, wenn er von Beatrix spricht, vor allem ihre „Betonfrisur". Schätzungen gehen von ein bis drei Dosen Haarspray täglich aus. Wie anders war das doch ihre Mutter Juliana, die auch als Regentin oft mit dem Fahrrad in Den Haag unterwegs war. Der goldene Käfig und seine Probleme machen Claus bei Umfragen immerhin regelmäßig zum beliebtesten Deutschen in den Niederlanden. Anfangs war der Diplomat stark umstritten wegen seiner Vergangenheit in der Hitlerjugend. Inzwischen finden ihn die Niederländer sehr sympathisch und bekunden Respekt für die Art, mit der Claus von Amberg über seine Krankheiten redet. Er verschwieg auch seine Depressionen nie und sprach öffentlich darüber: „Das ist das Abscheulichste, was einem Menschen widerfahren kann" und: „ich werde nie mehr derselbe werden". Das rührte ganz Holland. Und jetzt, wo die Nation eigentlich im Freudentaumel ist wegen der anstehenden Hochzeit des Kronprinzen Willem-Alexander mit Maxima Zorreguieta, macht sie sich vor allem Sorgen um Prinz Claus. „Er wurde krank durch die königliche Quarantäne", so Arlt van Rooy, Steuerberater, „hoffentlich geschieht mit Maxima nicht das selbe". -------------------------------------- prinz-claus-goldener-kaefig-23.08.01