„Der Brite" verteidigt Milosevic Der Haager Anwalt Michail Wladimiroff soll im Milosevic-Prozess aktiv werden - „Die Welt ist schlecht und das ist gut so" - Früher kämpfte er gegen das Tribunal Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Man nennt ihn „der Brite". Sein Name ist russisch. Er wohnt im niederländischen Den Haag. Und er wird den serbischen ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in den Haag verteidigen. Nicht als Rechtsanwalt, der von Milosevic bestellt wurde, sondern auf Bitte des Tribunals, als „amicus curiae", als „Freund des Gerichtes". Verwirrend? Es ist ganz einfach: Wladimir Wladimiroff, 56, ist ein Kind eines russischen Adeligen und einer Friesin. Er wurde in Holland geboren und studierte in den Niederlanden Rechtswissenschaften. Man nennt ihn „den Briten", weil er so britisch wirkt: Korrekt, voll „understatement". Wladimiroff wird nun zur Schlüsselfigur im Milosevic-Prozess. Der Dozent für internationales Strafrecht wurde gestern vom Kriegsverbrechertribunal in das Amt des beratenden Juristen berufen. Vor einiger Zeit noch kämpfte Wladimiroff für seinen Mandanten, den angeklagten und inzwischen verurteilten Kriegsverbrecher Dusko Tadic, gegen das Tribunal. Er bezeichnete es als „illegal" und verlor. Nun soll er Milosevic beistehen. Auch der empfindet das Tribunal als „illegal", weil es nicht von der UNO, sondern nur vom UNO-Weltsicherheitsrat eingesetzt worden sei. Allerdings hatte Milosevic selbst die Rechtmäßigkeit des Tribunals im Friedenvertrag von Dayton 1995 anerkannt. Wie Milosevic auf den „amicus curiae" reagiert, ist noch nicht bekannt. Der „amicus" assistiert dem Tribunal und nicht Milosevic. Er soll dafür sorgen, dass der Prozess, der nicht vor Januar beginnt, geregelt ablaufen kann, ohne durch den Starrsinn des Angeklagten gefährdet und verzögert zu werden. Der serbische ehemalige Präsident will bis jetzt keinen Anwalt, weil er das Tribunal nicht anerkennt. Mit Wladimiroff dürfte er, so denkt man am Tribunal, aber weniger Mühe haben. Der Jurist spricht neben niederländisch und englisch natürlich russisch und auch serbokroatisch. In den nächsten Tagen will er sich mit Milosevic treffen. Es wird eine ernste Sache, denn Chefanklägerin Carla del Ponte arbeitet fieberhaft an einer Erweiterung der Anlageschrift. Es geht um Kriegsverbrechen im Kosovo und in Bosnien und auch um eine Ereweiterung der Anklage wegen Völkermordes. Wladimiroff nimmt nichts auf die leichte Schulter, sagen seine Kollegen. Der superkorrekte „Brite" hat aber auch Humor: „Die Welt ist schlecht und ungerecht. Und das ist gut so", pflegt er zu sagen. Gut so für Anwälte. ------------------------------------ claudia@lienke.net www.newsmill.net milosevic-wladimiroff-7-9-01