Milosevic' Anwälte betteln bei der Presse Plädoyer-Kopien „verkauft" - Ex-Präsident muss nächsten Donnerstag zum zweiten Mal vor dem Tribunal erscheinen Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- « Scheintribunal !» riefen die Advokaten. „Menschenraub" unterstellten sie den Niederlanden und dem UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in den Haag Über drei Stunden lang trugen drei Anwälte des ehemaligen serbischen Präsidenten Milosevic jetzt am Regionalgerichtshof vor, dass ihr Mandant „sofort" freigelassen werden müsse aus dem Tribunal-Gefängnis im niederländischen Scheveningen. Eine Entscheidung wird nicht vor nächstem Freitag erwartet. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich das Gericht als „nicht zuständig" erklärt. Dann wollen die niederländischen Anwälte Steijnen, Olof und Hummels in Berufung gehen. Es ist auch die Rede davon, die Europäische Menschenrechtskommission anzurufen. Streitbar ist das Advokatentrio sicher. Allerdings: Steijnen und die seinen werden für ihre Dienste nicht bezahlt, sagt Milosevics kanadischer Anwalt Christopher Black. „Sie sehen ihre Aufgabe als eine Ehre". Black selbst allerdings bekomme etwas Honorar:„Sonst würden auch die vielen Flugtickets von Kanada nach Niederlande etwas teuer". Für den Rest geht jetzt das „Komitee zur Verteidigung Milosevic" in Belgrad mit der Sammelbüchse herum. Aber nicht nur in Belgrad. Nach der Pressekonferenz der Anwälte in Den Haag lagen Kopien des Plädoyers gegen die Niederlande bereit. Allerdings nicht einfach so. Für einen „Beitrag" von 24 Mark konnte ein Exemplar gekauft werden. Das Geld sei bestimmt für die „Opfer der NATO-Aggression in Jugoslawien", so Steijnen. Er mag die Medien nicht. Auf die Frage hin, ob er eigentlich offiziell beauftragt sei, Milosevic zu vertreten, wird er wütend: „Ihr habt keine Ahnung!". Eine Antwort bleibt aus. „Würden sie Karadzic und Mladic auch verteidigen, wenn sie nach den Haag gebracht werden?" fragt ein Journalist aus Belgrad. Steijnen kaut auf einem Butterbrot und zuckt mit den Schultern: „Weiß ich noch nicht". Als die letzten den Gerichtssaal verließen, lag der Stapel Plädoyers weiterhin unberührt auf dem Tisch. Niemand wollte eine „freiwilligen" Beitrag zahlen an das „Internationale Komitee zur Verteidigung von Ex-Präsident Slobodan Milosevic". Der wird kommenden Donnerstag (30.8.) zum zweiten Mal vor dem Tribunal erscheinen müssen. Dann setzt man die Anhörung fort, die Anfang Juli wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft des Ex-Präsidenten unterbrochen worden war. ------------------------ milosevic-betteln-24.08.01 claudia@lienke.net www.newsmill.net