Milosevic zockt in Den Haag Serbiens ehemaliger Machthaber klagt wegen „Kidnappings" gegen die Niederlande - Clinton und Blair als Zeugen vor dem Tribunal? Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Der Mann ist ein Spieler. Seit acht Wochen sitzt der ehemalige serbische Kriegstreiber nun im Gefängnis des UNO-Jugoslawien-Tribunals in Scheveningen bei Den Haag und behauptet, man habe ihn „gekidnappt". Dass die Serben den Slobodan Milosevic „immer noch lieben", das sei bewiesen durch „stapelweise Post" zu seinem Geburtstag am Montag. Das erzählt sein kanadischer Anwalt Christopher Black. Milosevic giftet. Und er zockt. „Slobo" hat sich inzwischen angefreundet mit einem Mithäftling, dem kroatischen General Rahim Ademi, der angeklagt ist wegen Verbrechen gegen Serben. „Sie spielen Karten zusammen", so Black. Vor Jahren hätten sie sich noch erschossen. Verbrüderung im Knast - wie schön. Doch ist all das mehr als ein gigantisches Spielchen. Spätestens nun, wo die NATO wieder einmal Truppen auf den Balkan schickt, um Frieden in Mazedonien zu sichern, wird das wieder klar. Brandstifter Milosevic zückt nicht nur Spielkarten gegen die Langeweile im Knast, sondern lanciert auch schwammige Klagen gegen die Niederlande. Denn seine Auslieferung aus dem Gefängnis in Belgrad nach Den Haag Ende Juni sei eine „Entführung" gewesen und zudem sein das Tribunal völlig illegal. Gestern (Donnerstag) ließ Milosevic dies seinen Niederländischen Anwalt Olof Stijnen in einem Gerichtssaal in den Haag vortragen. Milosevic selbst war nicht dabei. Die ganze Argumentation stand auf tönernen Füßen. Nach den Statuten des Tribunals ist die Art und Weise, in der ein Angeklagter ausgeliefert worden ist, unerheblich für den Prozess selbst. Der einzige Knackpunkt könnte die Europäische Menschenrechtsagenda sein, die auch die Niederlande anerkannt haben. Die besagt, dass ein Gefangener vor der Auslieferung einen Richter anrufen darf. Bei Milosevic ist dies nicht geschehen. Die Frage ist nur: warum? Und wenn trifft die Schuld? Für das Tribunal ist die Sache klar: Milosevic erkennt das Tribunal ja neuerdings nicht an, also suchte er auch keinen Beistand. Und dass er sich nun darauf berufe, sei eine interessante Wendung. Allerdings hatte Milosevic selbst das Tribunal durchaus anerkannt, früher einmal, als er den Friedensvertrag von Dayton 1995 unterschrieb. Damals blieb er noch Jahre lang unangetastet. Erst nach dem politischen Wandel in Serbien und kurz vor der Geberkonferenz wurde es eng für ihn. Der Versuch, die Legitimität des Tribunals anzugreifen, ist zum Scheitern verurteilt. Das hatte bereits der Anwalt von Dusco Tadic versucht, Wladimoroff, versucht. Wladimiroff: „Ich habe damals schon alles angeführt, was mir einfiel. Es hat keinen Sinn." Milosevic muss jetzt eigentlich nach vorne denken. Doch er hat immer noch nicht die Anklageschrift gelesen, worin steht, welcher Kriegsverbrechen in Bosnien und im Kosovo er beschuldigt wird. Dennoch hat er laut Black bereits beschlossen „alle betroffenen Weltpolitiker von damals als Zeugen anzurufen. Von Bill Clinton bis Tony Blair" Inkonsequent? Nein, so Black, Milosevic erkenne das Tribunal nicht an, aber das heiße noch lange nicht, dass er sich geschlagen gebe. Mit anderen Worten: Die Spielchen gehen weiter. ------------------------------- Milosevic-Anfechtung-23.08.2001 claudia@lienke.net