„Monitor" ist Milosevic' erster Zeuge Serbiens Ex-Präsident versucht „Lügen der Nato" durch deutsche Fernsehbeiträge aufzudecken - Heftige Attacken am Jugoslawien-Tribunal Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Jetzt schlägt er zurück: Der ehemalige serbische Präsident Slobodan Milosevic bekam gestern seine erste längere Redezeit in der Hauptverhandlung am Haager Kriegsverbrechertribunal. Er nutzte sie für heftige Attacken gegen „die Lügen der Nato". Milosevic begann seine Stellungnahme damit, dass er Videofilme zeigte, inklusive deutscher Fernsehbeiträge, um Vorwürfe von Massakern in Kosovo zurückzuweisen. Eine Sendung des Magazins „Monitor" der ARD musste auch dazu herhalten. Die Reportage fragte kritisch nach der Motivation für die Bomben der Nato auf den Kosovo 1999 . Auslöser für das Eingreifen war damals das Massaker von Racak, bei dem 45 Albaner umkamen. Der Beitrag äußerte Zweifel an der „Echtheit" des Massakers und zitierte Äußerungen, dass die Leichen bewusst so hingelegt worden seien um die Serben zu beschuldigen und um die westlichen Bombardements zu rechtfertigen. Das ist genau auch Milosevic' Sichtweise: Er habe nichts böses gewollt, schon gar nichts getan. Es waren die anderen. Und seine Serben, die saßen dann angstvoll in Bunkern. Auch davon zeigte er Videos. Serben als Opfer, als Hereingelegte, als Bedrohte, nicht als Täter - so will er es darstellen. Laut Milosevic gründete das Nato-Bombardement im Kosovo „komplett auf Lügen". Er selbst habe während des Kosovo Konfliktes 1999 verzweifelt versucht, sein Land „gegen Terroristen zu verteidigen". „Die USA haben das ja auch gerade gemacht, am anderen Ende der Welt" wetterte Milosevic mit Zornesfalten im Gesicht in Anspielung auf Afghanistan. Er wolle nun alles aufdecken und beginne „mit diesem kleinen Atom der Wahrheit in einem Ozean von Lügen". Die Bombardierung Jugoslawiens kann er sich nicht erklären. und wenn, dann nur als „Produkt von Propaganda und indem man die Weltmedien gegen unser Volk der Serben aufhetzte". Die Nato sei an allem Schuld: „Und jetzt wollen sie mich für die Verbrechen verantwortlich machen, die sie selbst verübt haben!" rief er sichtlich erregt. Denn so sieht er das: Hier stünden alle Serben vor Gericht. Gerade das Gegenteil hatte Chefanklägerin Carla del Ponte zwei Tage zuvor betont: Am Hager Tribunal gehe es einzig um Milosevic persönliche Verantwortung für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nicht um einen Prozess gegen das serbische Volk. Die Anklage hatte auch Filmausschnitte gezeigt, von Flüchtlingen, von Elend. laut Milosevic zeigten diese Bilder aber keine Flüchtlinge, sondern „Menschen beim Picknick". Ob der Angeklagte das in seinem tiefsten Inneren tatsächlich so sieht oder ob es nur eine Schutzbehauptung ist, weiß niemand. Vielleicht wird man es noch herausbekommen. Zeit genug ist dafür. Der Prozess wird mindestens zwei Jahre lang dauern. -------------------------- milosevic-monitor14.2.02