„Dieses Geld stinkt nicht" Euro in Benelux: Fast problemloser Übergang in Holland - Belgier kommen erst langsam in die Gänge - Marktleute gestresst: Paprika Piet fliegt lieber nach Thailand - Chaos bei der Postbank Von Claudia Diers-Lienke Amsterdam/Brüssel.- „200 Gramm jungen Gouda, bitte! "Auf dem Ten Katermarkt in Amsterdam gibt Tim seine ersten Euros aus beim Käsehändler Jan. „Weißt du, Jan, der Euro ist klasse", meint der Neunjährige. „Mama sagt immer, Geld stinkt. Aber Euros stinken nicht. Die sind sooo schön neu!" Jan lacht und sackt die glitzernden Münzen im Tausch für jungen Gouda ein. „Du hast recht! Schönes neues Jahr übrigens!. Ganz anders in Belgien. Die stämmige Dame holt selbstsicher einen „schweren Jungen" aus dem Portemonnaie. ein Schein von zehntausend Franc, rund 250 Euro. Damit will sie im Supermarkt Carrefour in Brüssel Milch, Pralinen und Deo bezahlen und Euros zurück.. Nix da. Madame bekommt 9000 Belgische Franc zurück, den Rest in Euros. Supermärkte sind keine Wechselstuben, denn sie befürchten sonst, zu schnell kein Wechselgeld mehr zu haben. Daran wird der Erfolg der Euro-Einführung in Benelux gemessen: Wie lange das Wechselgeld ohne Probleme reicht, wie sacht der Übergang verläuft. Supermärkte in Niederlande, Belgien und Luxemburg mussten extra Kassen öffnen. Besonders ältere Kunden wollten das Wechselgeld in Euros bis auf den Cent genau in die Hand gezählt haben. In Holland meldet die Landesbank „kein Problem", in Belgien hat man mehr zu kämpfen: Die Belgier wachen erst jetzt richtig auf und bezahlen zu 90 Prozent noch mit Franc, Niederländer nur noch zu 50 Prozent. „Pinnen", das bezahlen mit EC-Karte, und „Chippen" mit Karte, sind hier schon lange gang und gäbe. Aber Paprika Lex ist gar nicht gut drauf heute. Der Marktmann in Amsterdam verkaufte seit Jahren Gemüse für Festpreise: „Paprika ein Gulden, Kartoffeln ein Gulden, Tomaten ein Gulden" hieß sei Lockruf. Morgen kommt Paprika Lex nicht. „Keine Lust auf diese Rechnerei! Ich bin doch keine Bank!" sagt die Institution. Zusammen mit Bäcker Ad und Fischhändler Bert fliegt er lieber nach Thailand und wartet dort ab, bis alles sich beruhigt hat. Sein Kollege, Gemüsemann Robert, hat zwei Eimer vor sich stehen, einen mit Gulden, einen mit Euros. Wer Gulden bezahlt, bekommt Gulden zurück. Und für Euros gibt es Euros. Trotzdem ist er gestresst in der Kälte: „Es läuft wenig heute. Ich glaub', bald flieg' ich auch nach Thailand wie die anderen". Kissenhändler Vis war pfiffiger. Als es die Euro-Sets für 25 Gulden gab, hat er Dutzende davon gehortet. Besonders nichteuropäische Ausländer seien doch sehr erschrocken, wenn ihnen plötzlich der Euro bewusst werde, hat Vis beobachtet. Er geht damit typisch- niederländisch-nonchalant um: „Ein marokkanischer Kunde wollte heute mit einem 25 Gulden-Schein bezahlen. Ich hab' ihm ein Set Euromünzen dafür gegeben. Und dann haben wir zusammen geübt, wie man da den richtigen Betrag herausholt." Die Belgier sind weniger erfindungsreich: Laut Einzelhandelsverands-Vorsitzendem Xavier Durieu sind in Brüssel die Reihen vor den Supermarktrkassen drei mal so lang wie sonst und dauert das Bezahlen vier mal so lang. „Gemeckert wir d nicht, aber gut für den Umsatz ist es auch nicht", so Durieu. Gar nicht gut lief es allerdings bei den niederländischen Postbanken: Über 200 Filialen der sehr gemächlichen Institution machten in heller Panik „dicht", weil es Probleme mit dem Umrechnen gab. Man vertröstete die Kunden mit Aushängen darauf, in „10 bis 12 Stunden" das hausgemachte Chaos vielleicht überwunden zu haben... (Achtung: Zum Thema Postbank schicke ich einen Zeitungsausriss als jpg., evtl zur Illustration brauchbar) -------------------------------- euro-benelux-januar2002 www.newsmill.net