Wer macht heute den Bob? Die Beneluxländerentdecken Bob, den Party-Tiger - Frau oder Mann, egal, - Hauptsache alkoholfrei Von Claudia Diers-Lienke Brüssel/Den Haag.- Bob ist kein Trottel. Man braucht kein Mitleid mit ihm zu haben. Im Gegenteil: Auf Partys ist er ein sehr gesehener Gast. Zum Wohl, Bob! Wir den Sekt, er den Saft. Wenn jemand verantwortungsbewusst ist, dann Bob. Bob wohnt schon seit sechs Jahren in Belgien und bis auf fünf Prozent kennen alle Flamen und Wallonen ihn. Eigentlich kein Wunder: Wo etwas los ist, da ist auch Bob. Mit Anzeigen und TV-Spots bezeugt die Nation ihre tiefe Bewunderung: Ein Fest ist erst dann ein Fest, wenn Bob fährt. Weil der Stern dieses Chauffeurs so schnell so hoch gestiegen ist, wurde ihm Belgien sehr schnell zu klein. Die Niederlande kennen ihn inzwischen auch: Verkehrsministerium, Gastronomie und die Branchenvereinigung Alkohol bezahlen eine Kampagne, mit deren Hilfe Bob bald zur Riege der niederländischen Promis gehören wird. „Wer ist heute Abend der Bob?" Keine unbeliebte Frage mehr, sondern eine Ehre. Einer von drei Belgiern, das ergab eine Umfrage, ist schon mal Bob gewesen. Rund 80 Prozent unterstützten ihn aus vollem Herzen. Jedes zweite Cafe schmückt sich mit Bierfilzen und Schlüsselanhängern von Bob. Griechen und Luxemburger finden Bob auch schon ganz prima. Frankreich folgt nach. Aber da heißt er „der nicht trinkt wenn er fährt". Bisschen umständlich, meint Bob selbst, auch wenn die Franzosen solche Ausdrücke als als schön empfinden. Nur manche denken noch, dass er keine echte Identität hat, dass Bob steht für „Bewust Onbeschonken Bestuurder" (etwa: „Bewusst Nichttrinkender Fahrer"). Aber nein, Bob heißt Bob weil das schön kurz ist und man mit etwas gutem Willen einen Mann oder eine Frau damit meinen kann. Allerdings ist Bob meistens weiblich. Männer haben mehr Probleme damit, sich zu opfern. Überraschend fanden es die Begleit-Forscher des Belgischen Instituts für Verkehrssicherheit auch, dass Bob meist nicht zu den Jüngeren Gehört. Meist sind es 30er und 40er, denen es am wenigsten ausmacht, einmal der Bob zu sein. Aber bloß kein böses Wort über Bob. Freunde schätzen seine Verdienste für die Gemeinschaft. Wer fährt, wird fortan noch mehr geschätzt. Fahren unter Einfluss von was auch immer ist ein größeres Tabu als noch vor sechs Jahren, das ergab die belgische Untersuchung. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Alkohol-Unfälle ab. Dass es dennoch nach wie vor in Belgien und Nachbarländern auch schwere Verkehrsunfälle gibt, liegt weniger an Alkohol oder Drogen, sondern an zu schnellem Fahren. Bob kann dann ein beliebter Party-Tiger sein, aber für Raser muss man sich wohl noch eine zweite Kampagne einfallen lassen. -------------------------- www.newsmill.net bob.doc 12/2001