"Lady Macbeth" in Scheveningen Milosevics Frau auf Gefängnisbesuch - Drei Tage lang darf Mira Markovic in Holland bleiben - "Lieblingsessen gekocht" - Sie riet ihm zu einem "deal" Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Wäre sie "nur" eine gewöhnliche Ehefrau, würde sich kein Mensch dafür interessieren. Doch Mira Markovic bekam von den Opfern wegen ihrer Verstrickung ins ehemalige serbische Regime den blutigen Titel "Lady Macbeth" verliehen. Und hätte ihr Mann auf sie gehört, dann müsste Serbiens ehemaliger Diktator Slobodan Milosevic überhaupt nicht einsitzen im Gefängnis des internationalen Kriegsverbrechertribunals im niederländischen Seebad Scheveningen bei den Haag. Zumindest behauptet sie das. Doch es ist nun mal so. Seit 28. Juni ist Milosevic in UNO-Haft und gestern durfte Mira Markovic ihn in seiner niederländischen Behausung besuchen. Das Gefängnis wurde einst von den Nazis als Haftanstalt für holländische Widerstandskämpfer erbaut und hat 15 Quadratmeter große sogenannte "intimacy rooms", Familienzimmer für Privatbesuch. Da traf Mira ihren Slobo. Streng abgeschirmt natürlich. Drei Tage lang darf Markovic in den Niederlanden bleiben, dann muss sie zurück nach Belgrad. Holländische Offizielle sagen, die 59jährige habe letzte Woche ein Visum bekommen. Dieses sei nur dazu gedacht, dass Markovic ihren Mann besucht und dann wieder nach Hause fliegt. "Wir werden jeden Schritt bewachen", so Frank de Bruin, Sprecher des niederländischen Außenministeriums. Ob sie jetzt auch die Möglichkeit zur Wohnungssuche haben wird, ist fraglich. Doch genau das hat Markovic angeblich auch vor: Sich ein Apartment zu suchen, in dem sie ab Januar, wenn der Prozess beginnt, wohnen kann. Denn das Verfahren gegen ihren Mann wird Monate wenn nicht Jahre dauern. Markovic selbst definiert sich offiziell nur als "gute Ehefrau", die ihrem Mann stets das Lieblingsessen gekocht habe um ihn zu unterstützen. Sie fühle sich nun "verloren" und sie finde ihn immer noch" hübsch und liebenswert". Denn: "Slobodan ist mein Held". Beide klammern sich aneinander; beide kommen aus Familien, in denen ihre Eltern sich selbst umgebracht haben. Doch Markovic hat weitaus mehr getan als zu kochen und ihren Mann anzuhimmeln, wie man nicht nur in Serbien weiß. Sie zog hinter den Kulissen alle Fäden und beeinflusste alle wesentlichen Entscheidungen ihres Mannes. Sie hatte ihr eigenes Netzwerk und ihre eigene politische Partei, deren Einfluss weiter reichte als der Prozentanteil an Stimmen bei Wahlen vermuten ließ. "Slobo" hörte oft auf sie, aber nicht immer. In einem Interview erzählte Markovic diese Woche, dass sie ihrem Mann geraten habe, einen "deal" mit den gegenwärtigen jugoslawischen Autoritäten zu machen um die Auslieferung zu vermeiden, "aber er war dazu zu stur". Offenbar aber hatte sie Erfolg dabei, ihn zu überzeugen, dass er sich doch nicht selbst verteidigt, sondern Anwälte einschaltet. 19.07.01, copyright: NewsMill