copyright: NewsMill 2001 Ein Ehepaar aus Mann und Mann In Holland schon ganz normal: Die Homo-Ehe eröffnet weite Rechte und Pflichten - Praktisch gesehen gibt es mehrere "Haken" bei der Sache Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Auch Bayern und Sachsen konnten es nicht verhindern. In Sachen Homo- Ehe gehen die Uhren jetzt anders. Wie wird sich das auswirken? Im Land von Tulpen und Käse ist die "echte" Homo-Ehe seit April 2001 schon Wirklichkeit. Mit einem Hammerschlag um Mitternacht besiegelte Amsterdams Bürgermeister Job Cohen in der Nacht zum 1. April die erste echte Ehe zwischen zwei Männern im Amsterdamer Rathaus. "Wir schreiben Geschichte", sagte Cohen, "denn es geschieht zum ersten Mal, dass eine gültige bürgerliche Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern geschlossen wird. Das ist einmalig auf der Welt." In dieser Nacht war das neue niederländische Familiengesetz in Kraft getreten. Und vier Homo-Paare hatten sich getraut. Eines erschien mit schwarzen Lederhosen und schwerem Schuhwerk und ließ sich auch von den vielen Kamerateams nicht abschrecken. Lederhose hin oder her, es ging darum, so der Bräutigam, "ein Signal zu setzen". Mit Creme- Hochzeitstorte und allem Drum und dran. 15 Jahre lang hatten die nicht eben leisen Homosexuellen Hollands für die bürgerliche Ehe zwischen Mann/Mann und Frau/Frau gekämpft. Henk Krol, einer der Vorkämpfer jubelte: "Ich bin so froh, dass wir am Ziel sind". Denn für ihn ist klar: Gefühle zwischen Mann/Mann, Frau/Frau, Frau/Mann können die gleichen sein, hier gehe es um Liebe. Doch es geht auch bei Hollands Homo-Ehe um trockene Dinge wie Rechte und Pflichten. Schon 1998 war ein Zwischenergebnis mit der "registrierten Partnerschaft" gleichgeschlechtlicher Paare erreicht worden. Fast 5000 schwule Paare nutzten dies und ließen sich registrieren. Aber nicht nur Homosexuelle, sondern alle Paare, die nicht heiraten wollen, konnten seitdem ihre Beziehung amtlich registrieren lassen. Diese "registrierten Partnerschaften" haben weit reichende Folgen im Versicherungs-, Vormundschafts-, Erbschafts- und Pensionsrecht. Partner sind dann verpflichtet, für den gegenseitigen Unterhalt zu sorgen. Beim Tod des Partners bekommen sie Rente oder Pension wie Verheiratete. Die Niederlande waren das fünfte Land Europas, bei dem Homosexuelle ihre Partnerschaft auf dem Standesamt registrieren lassen konnten, nach Dänemark, Schweden, Norwegen und Island. Doch seit April geht man mit der bürgerlichen Heirat von Homosexuellen, bei der mindestens ein Partner Niederländer sein muss, einen Schritt weiter: Die Homo- Paare können jetzt auch Kinder adoptieren. "Eine registrierte Partnerschaft ist doch eine B-Klasse-Ehe", so der Chefredakteur des Schwulenmagazins Gay-Krant, Henk Krol, "eine bürgerliche Heirat ist mehr wert, schon alleine wegen der Gefühle, die bei einer solchen Ehe eine tiefere Rolle spielen." 77 Prozent der Niederländer finden eine echte Homo-Ehe in Ordnung. Also dürfen Homos jetzt standesamtlich heiraten und danach - im Gegensatz zur registrierten Partnerschaft - auch noch kirchlich Hochzeit feiern. In Holland sind die meisten katholischen Pfarrer, so eine Umfrage der Universität Utrecht, bereit, solche Paare zu trauen. Kardinal Simonis, Oberhaupt der holländischen Katholiken, besteht jedoch darauf, dass die Kirche die Einsegnung von homosexuellen Paaren verbietet. Praktisch gesehen hat die Sache laut Krol allerdings gleich mehrere Haken: Mindestens einer der Partner muss Niederländer sein, "Scheinehen" werden unterbunden - und bei einem Umzug in die meisten anderen Europäischen Länder bekommen schwule Ehepaare aus Holland große Probleme mit den Meldebehörden, weil ein Ehepaar dort noch immer aus Frau und Mann zu bestehen hat. Seit April hat es dennoch viele Nachahmer gegeben. Einige Dutzend Homos haben sich getraut, vor allem in Amsterdam. Und dort ist man stolz darauf: "Die niederländische Hauptstadt zeigt wieder einmal", sagt der begeisterte Bürgermeister Cohen, "dass sie noch mehr ist, nämlich die Schwulenhauptstadt Europas." Homo-Ehe-18.07.01, copyright:NewsMill