copyright: NewsMill 2001 (Zu diesem Stück gibt es auch ein Foto als jpg. Bei Interesse bitte bei NewsMill anfordern) Herman zum Gucken: Wie geht ein Gentechnik-Stier in Pension? Das erste transgene Rind der Welt steht in Holland bald im Museumsgarten - Ikone der Biotechnologie - Schaf Dollys Rindvieh-Bruder Von Claudia Diers-Lienke Den Haag/Leiden.- Wenn sich im Rest der Welt die Menschen mal wieder streiten über Gentechnik, Klonieren und Biotechnologie, dann ist das Herman wurscht. Obwohl er selbst mitten drin steht in der Debatte: als Ikone der Biotechnologie. Die neueste Nachricht aus dem niederländischen Leiden aber ist Herman sicher nicht Jacke wie Hose: Denn man hat nun definitiv beschlossen, dass er in Rente darf. In Leiden, im nationalen naturgeschichtlichen Museum Naturalis (www.naturalis.nl) bekommt er einen Stall gebaut. Und er darf ab Ende 2001 betrachtet werden, als lebender Teil der Kollektion, die ansonsten viele ausgestopfte Tiere zeigt. Herman ist so eine Art Rindvieh-Bruder des berühmten Klon-Schafes Dolly ; lange nicht so berühmt und auch nicht geklont, sondern transgen. Aber dafür hat er auch nicht Dollys Problem: Sie altert sehr schnell. Herman kann 20 Jahre alt werden. Jetzt ist er elf. Man treibt Aufwand für Herman. Stararchitekt Fond Verheijden wird dem Vieh einen ästhetischen Ruhesitz zu bauen. Und Belle und Holly, zwei geklonte Kühe, sollen Herman Gesellschaft leisten. Nicht dass er an diesen Kolleginnen noch viel Spaß haben könnte. Herman ist nämlich kein echter Stier mehr, sondern ein Ochse. Kastriert also. Was schrecklich klingt, war das kleinere Übel für ihn. Ohne Kastration würde er nicht mehr leben. Seit Hermans Geburt am 16. Dezember 1990, war Herman Gegenstand heftiger Debatten. Als erstes Rind der Welt trägt er in seinen Köperzellen menschliches Erbmaterial, das die Produktion des Eiweißes Lactoferrin steuert. Das ist ein Stoff, der gegen Infektionen wirkt. Wenn er in Kuhmilch vorkommt, kann er als Medizin benutzt werden, unter anderem um frühgeborenen Menschenbabys zu helfen. Aber Herman gibt keine Milch, also wartete man auf weiblichen Nachwuchs. Ab 1996 gaben vier seiner Töchter Milch mit menschlichem Lactoferrin. Herman hatte seine Pflicht getan und sollte sterben, denn das hatte man vereinbart zwischen dem Staat und Hermans Besitzer, dem Pharmaunternehmen Pharming in Leiden. Aber ach, wie traurig wäre doch sein Tod, fanden viele Beteiligte. Herman hatte doch nichts getan, er war doch keine echte Gefahr. Boris Becker und das Stichwort Samenraub waren noch weit weg. Doch genau darum ging es: Es durfte keinen Samenraub geben. Nach einigem Hin und her faste man sich ein Herz. Herman durfte am Leben bleiben, aber kastriert, damit es keine unkontrollierte Verbreitung seines kostbaren Erbguts gibt. Seitdem steht er in einem Bauernhof in Polsbroek und langweilt sich mit Holly und Belle. Aber auch zeugungsunfähig blieb Herman noch interessant. "Dürfen wir ihn ausstopfen, wenn er tot ist"? fragte das Museum Naturalis bei Pharming an. Und man einigte sich. Kontrollbehörden und Ministerien redeten auch noch eine Wörtchen mit. Schließlich war es so weit: Herman wird Teil einer neuen Ausstellung über Biotechnologie. Nicht als unkritische Werbung, sondern als Symbol: "Wir wollen die Öffentlichkeit über das Thema unabhängig informieren. Herman weckt dafür Aufmerksamkeit", sagt Naturalis-Direktor Wim van der Weiden. Der niederländische Staat bezahlt den Stall, damit die Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Aber obwohl Herman handzahm ist, wird man ihn im Museumsgarten auf Distanz zu Menschen halten, im Gegensatz zu Belle und Holly. Van der Weiden: "Schade, denn es ist ein nettes Vieh, das es schön findet, wenn Menschen kommen. Besucher sollen ihn sehen, aber nicht anfassen können. Wir pflanzen da eine dicke Hecke." 12.08.2001, copyright: NewsMill ------------------------------- Kontakt für Redaktion: Claudia Diers-Lienke, NewsMill, Vlaardingen/Niederlande E-mail: claudia@lienke.net Tel von D: 00 31 - 10 - 475 37 51