copyright: NewsMill 2001 "Sechs Mille für Hausfrauen" Bonus statt Problemgruppe: Wie die Niederlande versuchen, ihren blühenden Arbeitsmarkt zu versorgen - Kabinett will, dass mehr Frauen Jobs annehmen Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Manche Länder erfinden "Green Cards", locken mit schnellen Arbeitserlaubnissen für qualifizierte Auslände und grübeln über Einwanderungsgesetze. Im Land von "Frau Antje" und dem erfolgreichen Flexibilisierungs-Programm "Poldermodell" hat man das auch versucht, aber es genügt nicht: In Holland boomt der Arbeitsmarkt, nicht nur für IT-Jobs. Die Statistik weist nur 4,1 Prozent Arbeitslose nach. In Deutschland ist mancher Politiker klammheimlich froh, wenn sich Frauen (seltener: Männer) für den Hausfrauenjob zwischen Waschmaschine und Spielplatz entscheiden und so die Arbeitslosen-Statistik entlasten. Nix da, sagt nun das Niederländische Kabinett. Die sozialliberale Koalition verkündet, dass Arbeiten wichtig sei für die Emanzipation der Frau. Und sie verspricht Hausfrauen, die wieder anfangen zu arbeiten, "sechs Mille" Gulden (rd.4800 DM) vom Staat. Ab dem folgenden Jahr soll dieser fette Bonus wirksam werden. Er ist einer der Mittel, mit dem das Kabinett Wim Kok rund 950 000 Frauen wieder auf den bezahlten Arbeitsmarkt locken möchte. Die extra Steuervergünstigung wird, über drei Jahre verteilt, an alle Frauen gegeben, die temporär aufgehört hatten zu arbeiten und keine Unterstützung vom Staat beziehen, sondern vom Einkommen ihrer Partner lebten. Wenn sie einen Job für mindestens 50 Prozent des Minimallohnes annehmen, belohnt der Gesetzgeber sie mit einem Steuerabzug von insgesamt 6000 Gulden, verteilt auf drei Jahre. Diese "Rückkehrprämie", so ein Sprecher, soll Frauen das Gefühl geben, keine "Problemgruppe" in der Sparte "Hausfrauen, Rentner und andere schwierige Fälle" zu sein, sondern "ein wertvoller Faktor auf dem Arbeitsmarkt". Gleichzeitig soll die Zahl der Kinderbetreuungsplätze verdoppelt werden, und wird mehr Urlaub im Fall einer Erkrankung eines Kindes zugesichert. Doch ob die durchschnittliche holländische Hausfrau das attraktiv findet? Im Moment arbeitet nur 50 Prozent der Frauen. Von den 2,5 Millionen nicht- arbeitenden Frauen leben 1,4 Millionen vom Einkommen des Partners. Knapp 200 000 sind aktiv arbeitssuchend gemeldet, haben Kinderbetreuung geregelt und könnten morgen beginnen. "Doch jetzt melden sich sicher mehr", so ein Kabinettssprecher. Wieder einmal will das kleine Land Vorbild sein für progressive Politik, aber das nicht ohne Grund: Die Sozialliberale Koalition bekam in letzter Zeit mächtig Druck von der Opposition und von Interessenverbänden, Gewerkschaften ebenso wie Arbeitgebern. Auch jetzt ist der niederländische Gewerkschaftsbund noch kritisch: "Erst einmal die Kinderbetreuung verbesern und mehr Geld in de Schulen stecken - das ist der erste Schritt", sagt Sprecherin Kitty Roozemond. Der Amsterdamer Wirtschaftsexperte Prof Joop Hartog erwartet dennoch, dass das Angebot Frauen locken wird: "Sie können die 6000 Gulden Steuergeschenk verwenden, um damit die Kinderbetreuung mit zu finanzieren. Eine gute Kombination!" ------------------------------------------------------------------------- Hausfrauen-16.08.2001, copyright:NewsMill -------------------------------------------------------------------------- Claudia Diers-Lienke, NewsMill Vlaardingen /Holland Tel 00 31 - 10 - 475 37 51 E-mail: caudia@lienke.net