„Wir haben rechtzeitig gewarnt" Niederländische Behörden weisen Schuld an Fischmehlskandal zurück - Wurde in Deutschland geschlampt? - Recyclingbetrieb exportierte statt zu vernichten Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Die Sache stinkt zum Himmel und keiner weiß, wen denn nun eigentlich die Schuld trifft: Der Fischmehlskandal um 27,5 Tonnen verseuchte Shrimps aus Fernost sorgt nicht nur im Verbraucherschutzministerium in Berlin für Aufregung, sondern auch beim Ministerium für Volksgesundheit im niederländischen Den Haag. Denn, so der Vorwurf aus Deutschland: Holland habe geschlampt haben und habe zu spät vor der mit Chloramphenicol verseuchten Ladung gewarnt. „Feuer" schreien die Europa-Kritiker, schießen scharf gegen das Künast-Ministerium und sehen sofort das gesamte Europäische Verbraucherschutz-Warnsystem in Gefahr. Doch nach Darstellung der Niederländischen Behörden hat das System eigentlich funktioniert, nur sei ein Brief aus Den Haag nach Berlin offensichtlich zu lange irgendwo liegen geblieben. Doch der Reihe nach: Was ist passiert? In den Niederlanden tauchten im August 27,5 Tonnen verseuchte Shrimps aus Fernost auf, bei denen der holländische Kontrolldienst Chloramphenicol feststellte. Bert Hendriks vom niederländischen Gesundheitsministerium: „Wir haben sofort die Vernichtung dieser Ladung angeordnet". Die Recyclingfirma, die damit beauftragt wurde, witterte aber offenbar ein Geschäft und verkaufte die Shrimps weiter. Diese andere Firma schließlich vermischte die Ladung mit 161 Tonnen weiterer Fischabfälle und verschacherte das nach Cuxhaven. Das, so Bert Hendriks, bekamen die Niederländer spitz. Am 20. Dezember, und nicht erst am 27. Dezember wie die Deutschen behaupteten, habe das Gesundheitsministerium aus Den Haag einen Warnbrief ans Verbraucherschutzministerium in Berlin geschickt. „Das lief über den Kontaktpunkt, den uns die EU genannt hatte und der bisher immer tadellos funktionierte", so Hendriks. Offenbar lag der Brief in irgendeiner Poststelle zu lange herum, wurde fehlgeleitet und kam zu spät um noch zu verhindern, dass die Fischpampe aus Cuxhaven wiederum weiterverkauft wurde. Ist am Ende also die Post schuld? Oder der Weihnachtsmann und seine Feiertage? Niemand wird es wohl letztgültig herausfinden können. Denn die giftige Fischpampe ist längst an weitere Firmen weiterverscherbelt, an sechs deutsche und je eine Firma in Dänemark, Polen und Rumänien. ------------------- Fischmehl-16.01.02 www.newsmill.net Claudia Diers-Lienke, Niederlande Tel von D: 00 31 10 475 37 51