Eine Tüte Euros gratis Die Beneluxländer: Holland macht Geschenke, Belgien schreddert Münzen und Luxemburg reibt sich die Hände - Liebevolle neue Spitznamen gesucht - Der erste bare Euro wurde schon bezahlt Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Schicke Werbefilme und große Debatten alleine sind nichts für die handfesten Holländer. Im Land von Gulden und Deichen wird die Euro-Umstellung handfest versüßt: Man bekommt einen Satz Euromünzen geschenkt von der niederländischen Regierung. Alle Einwohner ab sechs Jahren erhalten einen Gutschein von der Zentralbank, der sie ab Mitte Dezember berechtigt, ein kostenloses „Euro-Kit" abzuholen. Darin steckt ein Exemplar von jeder neuen Euro-Münze. Wert: 3,88 Euro. Das Finanzministerium bezahlt die Kosten in Höhe von 54,5 Millionen Euro, ebenso wie die rund 40 Millionen Euro, die es kosten wird, all die Päckchen zu packen und zu verbreiten. Manche halten das für eine viel zu teure Methode, um der Bevölkerung ein „Zuckerl" zu geben. Vor allem die Opposition wittert schlimme Motive, denn nächstes Jahr ist Wahljahr. Aber die sozialliberale Regierung Wim Kok glaubt fest daran, dass die Bürger nicht einfach nur die 3,88 Euro einsacken, die sie zum Eingewöhnen bekommen, sondern gleichzeitig auch das „Verbraucherpaket" für 11,35 Euro bestellen und bezahlen. Die Münzen werden essentiell sein für den Nahverkehr. Niederländische Bahnen und Busse akzeptieren ab 1. Januar nur noch Euro. Die Münzpakete sind Teil einer Strategie, die einen sehr schnellen Übergang zum Euro sichern soll. Die Niederlande wollen das so schnell wie kein anderes Land schaffen: sie geben sich und ihren 16 Millionen Einwohnern nur vier Wochen Zeit bis Ende Januar, während die meisten anderen Euro-Länder bis zu drei Monaten haben. Und wenn die letzten Silvester-Partygäste am 1. Januar müde nach Hause schlurfen, machen die niederländischen Banken auf. Anstatt auf ihrem normalen Feiertag zu beharren, werden Bankangestellte Euros an Geschäftskunden ausgeben, die sie bestellt haben. Und sie werden die Geldautomaten nachfüllen, die ab diesem Tag die neue Währung ausspucken. In Belgien dagegen erzählt man den Bürgern, sie sollen langsam damit tun, ihre alten Belgischen Francs einzutauschen. Hier gibt man sich bis Ende Februar Zeit, befürchtet aber großen Andrang schon im Januar. Mit Sympathiewerbung war man jedoch auch in Belgien schon sehr schnell: Um die neue Währung sympathisch zu machen, verteilte die Supermarktkette SB an jeden Kunden, der für über umgerechnet 20 Euro einkaute, einen Papp-Euro. Der wurde beim nächsten Einkauf umgetauscht in den Gegenwert eines echten Euro. Die Belgier haben inzwischen als eine der ersten damit angefangen, alte Banknoten zu zerstören: Mit einem „crusher" werden alte Münzen, die man bald nicht mehr braucht, geschreddert und zu einem Zentral-Lager nach Brüssel gebracht. Banknoten werden gelocht, um Sicherheitsprobleme zu umgehen. 66 Prozent der Bewohner der Handelsnation Niederlande wollen laut einer Umfrage im Auftrag der europäischen Kommission gerne das neue Geld. Allgemein sind die Menschen in den Beneluxländer Niederlande, Belgien und Luxemburg optimistisch: Sogar 81 Prozent der Bevölkerung in Luxemburg freut sich auf den Euro, und 75 Prozent in Belgien sehen ihn positiv. Dass den Luxemburgern als Euro-Bankiers Nummer eins die neue Währung gefällt, ist leicht nachzuvollziehen. Im Land des langjährigen Wackelkandidaten Belgien hat sich einiges gewandelt und sind mittlerweile Drei Viertel der Leute für den Euro. Zum Vergleich: Die Deutschen sind nach dieser Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission nur zu 53 Prozent begeistert. Wie die Deutschen messen die Niederländer ihren Geldscheinen und Münzen große emotionale Bedeutung bei. 25-Cent-Stücke heißen liebevoll „quartertjes", Zehner sind „dubbeltjes", und die Zweieinhalb Gulden Stücke „Rijksdaler". Auch der 25-Gulden-Schein wird verschwinden, nichts geht mehr mit dem Rechenfaktor 2,5. Statt dessen wird alles auf die volle Zehn gerechnet. Problem erkannt, Gefahr gebannt: Das nationale Euro-Einführungs-Kommitee startete einen Wettbewerb. gesucht waren neue liebevolle Spitznamen für den Euro. Vorschläge lauten: „trouwring" (Ehering) für den golden umrandeten Einer-Euro, oder so typisch holländische Verkleiderungen wie „bruggetje" ( kleine Brücke). Der erste Euro ist unterdessen schon längst bar ausgegeben. Im niederländischen Venlo wurde schon im Oktober mit Euros bar eingekauft, zum ersten Mal in der Eurozone. Wie das? Remko B. aus Venlo berichtet: Vor ein paar Tagen kam ein freundlicher Mann in Remkos Tiergeschäft, wollte Fischfutter und zückte einen Fünf-Euro-Schein. Der sah echt aus. Natürlich wusste Remko, dass es echte Euros noch nicht im Umlauf geben kann. Aber der Spaß, den ersten Euro-Fünfer zu haben,war ihm das Risiko wert. Er bekam den Schein, der Kunde das Futter. Der Schein war echt. Und er war gestohlen, vermutlich aus einem Geldtransport in Spanien, sagte die Polizei. Aber Remko stört das nicht: Er (und sein Tiergeschäft) waren 14 Tage lang berühmt. Das ist gut für's Geschäft. ------------------------------------ Euro-countdown-benelux 7.11.01 claudia@lienke.net www.newsmill.net