Jeder Holländer bekommt heute schon Euros Und das komplett gratis: Ein Beutel Münzen für jeden - In Banken, im Kaufhaus oder an der Tankstelle Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Große Aufregung im Kaufhaus HEMA: Da, wo der Durchschnitts-Niederländer sonst seine fein gerippten Unterhemden kauft, werden sich heute (Freitag) die Kunden um etwas ganz anderes drängeln: Ein Säckchen Euros. Echte Euros. Auch bei Fotogeschäften, Shell-Tankstellen und natürlich bei Banken wird heute etwas geschehen, was typisch holländisch ist: Es gibt etwas „gratis" (sprich „chrratis") um es der calvinistischen Handelsnation schmackhaft zu machen. Genau 3,88 EURO, ein Exemplar jeder Münze, stecken in dem kleinen Säckchen. In den letzten Wochen bekam jeder Bewohner der Niederlande (deutsche Gastarbeiter und jeder legal Angemeldete eingeschlossen) einen Brief von der Zentralbank mit einem Gutschein. Kinder ab sechs Jahren erhielten auch Gutscheine plus eine niedliche Aufklärungsfibel mit dem stolzen Titel „Meine ersten Euros". Einige tausend Menschen haben sich, gleich nachdem die Gutscheine verschickt waren, vergeblich mit ihrem Coupon im Kaufhaus HEMA gemeldet nach dem Motto, lieber gleich abholen, bevor es alle ist. Sie wurden wieder nach Hause geschickt. 14. Dezember ist Euro- Tag in Holland, schneller als in allen anderen Europäischen Ländern. Beinahe 15 Millionen Coupons haben die Niederlande verschickt. Sofort stieg sprunghaft das Informationsbedürfnis im Land der Tulpen und Käse an: Die Zahl der Anrufer am Euro- Infotelefon schnellte hoch, inzwischen sind es 20 000 Anrufe pro Tag. Gratis-Euros für alle sind eine teure Methode: Das Finanzministerium (ergo der Steuerzahler) bezahlt die Kosten in Höhe von 54,5 Millionen Euro, ebenso wie die rund 40 Millionen Euro, die es kostet, wird, all die Päckchen zu packen und zu verbreiten. Manche halten das für eine viel zu aufwändige Weise, um der Bevölkerung ein „Zuckerl" zu geben. Vor allem die Opposition wittert schlimme Motive, denn nächstes Jahr ist Wahljahr. Aber die sozialliberale Regierung Wim Kok glaubt fest daran, dass die Bürger nicht einfach nur die 3,88 Euro einsacken, die sie zum Eingewöhnen bekommen, sondern gleichzeitig auch das „Verbraucherpaket" für 11,35 Euro bestellen und bezahlen. Die Münzen werden essentiell sein für den Nahverkehr. Niederländische Bahnen und Busse akzeptieren ab 1. Januar nur noch Euro. Die Münzpakete sind Teil einer Strategie, die einen sehr schnellen Übergang zum Euro sichern soll. Die Niederlande wollen das so schnell wie kein anderes Land schaffen: sie geben sich und ihren 16 Millionen Einwohnern nur vier Wochen Zeit bis Ende Januar, während die meisten anderen Euro-Länder bis zu drei Monaten haben. ----------------------- www.newsmill.net EURO-kit.doc