Dubrovnic-General stellt sich Pavle Strugar : Freiwillig zum UNO-Tribunal nach Den Haag - Krankenzimmer statt Zelle - Kein Genosse für Milosevic - „Das ist ein ordentliches Gericht" Von Claudia Diers-Lienke Den Haag.- Pavle Strugar (68) ist das, was man am UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien einen „dicken Fisch" nennt. Obwohl er sich selbst nie so sehen würde. „Ich bin kein Kriegsverbrecher", verkündete der ehemalige jugoslawische Armeegeneral aus Montenegro, setzte sich in einen Privatjet und flog mitsamt Rechtsanwalt, Ehefrau und behandelndem Arzt am Sonntag von Podgorica nach dem niederländischen Den Haag. Und dort, am Sitz des Tribunals, wanderte Strugar nicht schnurstracks ins Kriegsverbrecher- Gefängnis im Seebad Scheveningen wie andere vor ihm. Strugar wird, das gilt als ausgemacht, kein Zellengenosse oder auch nur Trakt-Nachbar von Kriegsgrößen wie dem serbischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic werden. Er hat nachweislich Nierenprobleme und darf deshalb in ein Krankenzimmer statt in eine Zelle. Auch sonst hat Strugar wenig mit den meisten anderen 38 inhaftierten Tribunals-„Kunden" gemeinsam. Der auffälligste Unterschied, neben der freiwilligen Anreise, ist, dass er das Tribunal ausdrücklich anerkennt - im Gegensatz etwa zu Milosevic. Stugar ist der erste Ex- jugoslawische Bürger, der sich dem Tribunal selbst überstellt. Vor der Abreise sagte er, dass das Tribunal „so achtbar ist wie es ein jugoslawisches Gericht" und dass er ein faires Verfahren erwarte. Er ist angeklagt wegen der Bombardierung des kroatischen Dubrovnik 1991. Damals wurde im drei Monate langen Bombenhagel die einstige „Perle der Adria" schwer beschädigt, über 40 Menschen starben, mehr als 500 Gebäude in der von der UNO als „Weltkulturerbe" eingestuften Stadt wurden beschädigt. „Ich war 42 Jahre lang Soldat", sagt Strugar, „ich habe Menschen immer human behandelt. Auch während des Krieges. Ich bin kein Kriegsverbrecher". Das Kriegsverbrechertribunal allerdings sieht das anders. Strugar ist gemeinsam mit drei weiteren Militärs angeklagt, Marinechef Admiral Milan Zec, Admiral Miodag Jokic und Kapitän Vladimir Kovacevic. Die drei anderen Angeklagten sind noch auf freiem Fuss. Doch fragt es sich , wie lange. Sie werden in Belgrad vermutet. Man erwartet, dass die Tribunal- Chefanklägerin Carla del Ponte bei ihrer Reise am heutigen Montag nach Belgrad deren Auslieferung mit Vehemenz fordern wird. Strugar selbst soll im Lauf der Woche das erste mal vor dem Tribunal erscheinen.