Drogenparadies Holland fährt scharfe Geschütze auf Goldene Zeiten für Schmuggler sollen vorbei sein - Den Haag setzt 50 Millionen Euro ein - Zuvor ließ man Kokain-Schmuggler oft einfach laufen Von Claudia Diers-Lienke Amsterdam.- 14 Kilogramm Kokain hatte die Frau dabei: Der niederländische Zoll ertappte sie am Flughafen Schiphol bei Amsterdam. Und was geschah? Ganz ordentlich stellten ihr die Beamten eine Empfangsbestätigung über die Drogen im Wert von rund 280 000 Euro aus. Beschlagnahmt wurde die Schmuggelware schon, aber schließlich sollte die Frau einen Beweis für ihre Bosse bekommen, dass sie das Koks nicht selbst versilbert hatte. Mit der Quittung ließ man sie laufen. Kein Einzelfall: Bis jetzt herrschten goldene Zustände für Drogenkuriere in Holland, besonders am Flughafen Schiphol. Wegen überlasteter Gerichte und überfüllter Gefängnisse wurden die Zöllner angewiesen, zunächst einmal Fünfe gerade sein zu lassen. Angefangen hatte es damit, dass Staatsanwalt Henk Woodrik einen Brief an Justizminister Benk Korthals schrieb und darum bat, Drogenkuriere, die weniger als ein Kilo Kokain dabei hatten, nicht mehr zu verhaften. Man wisse einfach nicht mehr, wohin mit den Leuten. Die Strategie hieß, den Kopf in den Sand zu stecken und war großer Anlass zur Freude für die Drogenchefs von Aruba und Curacao. Wenn ein Flieger von den Niederländischen Antillen und Aruba im nasskalten Holland landet, sitzen in jeder Maschine bis zu 40 Drogenkuriere, wissen die Behörden aus Erfahrung. Man ließ sie oft laufen. Als das Ausmaß jetzt publik wurde, blieb der Aufschrei der Niederländer nicht aus. Wer falsch parkt, wird mit teuren Strafzetteln unerbittlich verfolgt, während Drogenkuriere unbehelligt ausgehen. Wut beherrschte die Leserbriefspalten und Talkshows. Wim Kok, Ministerpräsident auf Abruf, musste doch noch mal vor die Kameras und etwas sagen: Dass man alles tun werde, damit die Niederländer ihrem Staat wieder vertrauen könnten. Denn entgegen landläufiger Auffassung sind in Holland keineswegs alle Drogen erlaubt. Harte Drogen sind ebenso wie in Deutschland verboten; nur bei Marihuana ist man liberal. Gestern (Montag) bekam der Zoll neue, strenge Anweisungen: Alles zu packen, was man packen könne. Containergefängnisse werden aufgestellt, normale Zellen sollen nun mit zwei Häftlingen besetzt werden, insgesamt wird es ad hoc 350 zusätzliche Haft-Plätze geben. Hundert zusätzliche Beamte werden für Drogenkontrollen eingesetzt. und auch bei der Justiz will und muss man aufstocken. Alle Maßnahmen zusammen gerechnet kosten, so das Justizministerium, 50 Millionen Euro. Ab 1. März wird es erlaubt sein, Verdächtige an Flughäfen zu röntgen und mit Ultraschall zu untersuchen. Denn mehr Kontrollen müssen offenbar sein: In 2001 wurden auf Schiphol 1200 Passagiere beim Schmuggeln von Kokain ertappt; 3500 Kilo Koks wurden beschlagnahmt, so das Justizministerium. Man schätzt jedoch, dass pro Jahr rund 20 000 Drogenschmuggler über Schiphol ins Land kommen. Meist sind sind es „arme Schlucker" im wörtlichen Sinn, die in Kondome verpackte Kokain-Kugeln in ihrem Bauch transportieren. -------------------- Amsterdam-Koks www.newsmill.net